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Rind im Bild 01/2010

Liebe Mitglieder,

Der Landeskontrollverband Schleswig-Holstein e. V. (LKV) und seine Mitglieder blicken auf ein Jahr mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten für die Milcherzeuger zurück. Bei einem Milchpreis in Schleswig-Holstein wie vor 40 Jahren und dem aktuellen Kostenniveau mussten auch die am kostengünstigsten wirtschaftenden Produzenten Verluste hinnehmen. Zahlreiche Milcherzeuger ? und zwar deutlich mehr als in den Vorjahren ? haben deshalb die Milchproduktion eingestellt. Die aktuelle Entwicklung des Milchmarktes und der Milchpreise gibt jedoch Anlass zur Hoffnung. Dass die Mitglieder sich nicht aufgegeben haben, zeigt die Tatsache, dass momentan durchschnittlich 2,6 Kühe mehr je Bestand gehalten werden als vor einem Jahr. 76,6 Kühe/Bestand sind absolute Spitze unter den westdeutschen LKVs. 20 % der Mitglieder halten schon mehr als 100 Kühe. Drei Bestände in Schleswig-Holstein haben bereits die Schwelle von 500 Kühen überschritten und erreichen Herdengrößen, die in Ostdeutschland nicht ungewöhnlich sind.

Große Herden sind nicht automatisch wirtschaftlicher als kleinere, sondern nur, wenn das Herdenmanagement und die Produktionstechnik stimmen. Da heißt es, Produktionskennziffern zu errechnen, zu interpretieren und sich mit anderen Betrieben zu vergleichen, um zu erkennen, wo im eigenen Betrieb Reserven stecken. Ein wichtiger Punkt für die Rentabilität der Milchproduktion ist, dass die Kühe in ihrem Leben eine hohe Gesamtleistung produzieren, um die Kosten der Aufzucht bezogen auf den Ertrag gering zu halten. Eine Lebensleistung von 40.000 kg Milch sollte es beim Abgang der Kuh mindestens gewesen sein, sagen die Betriebswirtschaftler, und die sollte in höchstens fünf Jahren erreicht werden. Tatsächlich erreichten die abgegangenen Kühe in Schleswig-Holstein im letzten Prüfjahr durchschnittlich 23.890 kg ECMilch in knapp drei Jahren.

Die Leistung einer Kuh lässt sich auch mit einer anderen Zahl darstellen, der Leistung je Lebenstag. Sie wird als Lebenseffektivität bezeichnet. Darin wird neben der Leistung auch die Länge der Aufzuchtphase berücksichtigt. Erst wenn die Lebenseffektivität einer Kuh über 15 kg Milch liegt, so haben es Betriebswirtschaftler errechnet, hat eine Kuh durch ihre Leistung ihre Aufzuchtkosten erwirtschaftet. Eine Lebenseffektivität von 12,2 kg Milch erzielten die im Prüfjahr 2009 abgegangenen schwarzbunten Kühe. Ansatzpunkte für eine Verbesserung sind einerseits eine kürzere Aufzuchtperiode und andererseits eine längere Nutzungsdauer. Die intensiver aufgezogene Nachzucht mit einem optimalen Erstkalbealter zwischen 25 und 27 Monaten erzielt in ihrem weiteren Leben die höchsten Leistungen. Einer längeren Nutzungsdauer stehen häufig Probleme bei der Eutergesundheit und der Fruchtbarkeit der Kühe entgegen, müssen es jedoch nicht. Es gibt auch die positiven Beispiele. Der LKV hat diese Betriebe mit herausragenden Ergebnissen auf seinen Kreisvereinsversammlungen wieder mit Plaketten und Urkunden ausgezeichnet.

Der LKV kann nicht für höhere Milchpreise sorgen, aber durch die von ihm erarbeiteten Daten einen Beitrag zu einer rentableren Produktion leisten. Die Daten sind vielfältig nutzbar von der Fütterung über die Selektion bis hin zum Furchtbarkeitsmanagement. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit ihnen zu arbeiten: auf gedruckten Listen, mit einem eigenen Herdenmanagementprogramm am PC oder im Internet mit dem Herdenauswertungsprogramm des LKV. Mögen Sie, liebe Mitglieder, einen möglichst großen Nutzen aus den vom LKV festgestellten Daten ziehen und hoffnungsvoll dem nächsten Aufschwung entgegensehen können. Wir wünschen Ihnen eine positive Entwicklung der Milchpreise und dadurch wieder eine zufriedenstellende Erlössituation bei der Milchproduktion!

 

72. Hauptversammlung des Landeskontrollverbandes Schleswig-Holstein e. V.

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Die 72. Hauptversammlung des Landeskontrollverband Schleswig-Holstein e. V. (LKV) fand am 8. Dezember 2009 im Rendsburger ?Conventgarten? statt. Der Vorsitzende Eckhard Marxen zog bei dieser Veranstaltung vor den Delegierten aus den Kreiskontrollvereinen und zahlreichen Gästen eine positive Bilanz über die Arbeit im abgelaufenen Jahr. Es gab zwar eine deutlich rückläufige Mitgliederentwicklung, aber im Jahresmittel die gleiche Zahl der geprüften Kühe wie im Vorjahr.

Bei seiner Begrüßung dankte der Vorsitzende den Gästen aus dem Landwirtschaftsministerium, der Landwirtschaftskammer, dem Bauernverband, der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG, der Wissenschaft und der Molkereiwirtschaft für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit im abgelaufenen Jahr. Er wies auf die dramatische Milchpreissituation und deren Auswirkungen auf die Milchvieh haltenden Betriebe hin. Die Politik sei gefordert, den Betrieben Hilfen zu gewähren, um die Krise durchzustehen. Durch seine Arbeit und die von ihm erarbeiteten Daten trage der LKV zu einer möglichst kostengünstigen Milchproduktion bei, die Voraussetzung für ein Überstehen der Krise sei.

Geschäftsbericht

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Gerd Schulz verdeutlichte in seinem Bericht die Entwicklung der Zahl der geprüften Betriebe und Kühe. Im Jahresdurchschnitt konnte die Kuhzahl mit einem Plus von 510 Kühen gegenüber 2008 gehalten werden. Da der aktuelle Stand jedoch schon um gut 5.000 Kühe unter dem Vorjahresstand lag, ist ein Rückgang der Kuhzahl in 2010 wahrscheinlich.

Des Weiteren berichtete er, dass die vom LKV nach den Regeln des Internationalen Komitees für Leistungsprüfungen in der Tierzucht (ICAR) durchgeführte Leistungsprüfung inkl. der Tieridentifikation, des Probentransports, der Milchuntersuchung und der Datenverarbeitung zertifiziert wurde. Im Rahmen einer Gruppenzertifizierung unter dem Dach des Deutschen Verbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfungen (DLQ) erhielt auch der LKV Schleswig-Holstein das ICAR-Qualitätszertifikat. In den Folgejahren muss er dafür noch weitere Auditierungen bestehen.

Auch im abgelaufenen Jahr hat der LKV wieder Investitionen getätigt. Die bei der Stallkontrolle seit ca. 20 Jahren eingesetzten Tru-Test-Messgeräte vom Typ HI wurden durch den Gerätetyp WB desselben Herstellers ersetzt. Die neuen Geräte zeichnen sich durch bessere Milchdurchflusseigenschaften und einen größeren Messzylinder aus. Die Umstellung wurde von den Mitgliedern positiv angenommen.

Im Labor wurde die Maschine zum Reinigen der Probenflaschen ausgetauscht. Die neue Waschmaschine arbeitet deutlich günstiger hinsichtlich des Verbrauchs an Wasser, Energie und Reinigungsmitteln.

Ende 2009 hatte der LKV den seit 2007 laufenden zweiten Durchgang zur Auditierung der Milcherzeuger im Rahmen des Qualitätsmanagements Milch (QM) abgeschlossen. Von 2010 bis 2012 soll ein dritter Durchgang erfolgen. Der LKV wurde wiederum von der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e. V. damit beauftragt.

Im Rechenzentrum lag ein Schwerpunkt der Arbeiten bei der Vorbereitung der Umstellung der bisher auf einem Großrechner laufenden Anwendungen und der gespeicherten Daten auf ein modernes Datenbanksystem. Dabei müssen die vorhandenen, etwa 40 Jahre zurückreichenden Datenbestände so vollständig wie möglich mit übernommen werden.

Die Arbeit in der Abteilung Tierkennzeichnung war im letzten Jahr geprägt von den Vorbereitungen zur Einführung von neuen Ohrmarken. Mit ihnen wird bei der Kennzeichnung eines Kalbes automatisch eine Gewebeprobe gezogen, mit der ein BVD-Erregernachweis schon wenige Tage nach der Geburt möglich ist bzw. die Gesundheit des Kalbes bestätigt werden kann. In einem Versuch wurden je 5.000 Gewebestanzohrmarken von zwei Herstellern getestet.

Wahlen

DSC 0185 Nach Ablauf seiner dreijährigen Amtsperiode wurde der LKV-Vorsitzende Eckhard Marxen, Gettorf-Niendamm, einstimmig wieder in diese Funktion gewählt. Das Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes Thomas Rübcke, Ahrensburg, wurde ebenfalls für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt.

 

Auch die zur Wahl stehenden Mitglieder des Schiedsgerichts, Dr. Joachim von Müller, Koselau, und Hans Fedder Carlsen aus Ladelund erhielten für weitere drei Jahre das Vertrauen der Delegierten der Hauptversammlung.

 

 

Vortrag

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Zum Abschluss der Veranstaltung referierte Prof. Dr. Martin Braatz von der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft, über das Thema ?Entwicklungstendenzen in der Milchviehhaltung?. Ein Fixpunkt für die zukünftige Entwicklung ist das Auslaufen der Milchquote im Jahre 2015. Wahrscheinlich ist des Weiteren eine Absenkung der direkten Prämienzahlungen nach 2013. Die Landwirtschaft befindet sich im Spannungsfeld zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und Energie. Deutlich kritisierte er dabei die Diskrepanz zwischen der Absenkung der Unterstützung für die Nahrungsmittelproduktion auf der einen Seite und andererseits die hohe Förderung der regenerativen Energien durch garantierte Abnahmepreise. Er geht jedoch davon aus, dass die Milchviehhaltung trotz der Biogasproduktion wettbewerbsfähig bleiben wird.

Der Boden bleibt weiterhin ein knappes Gut. Wichtig ist die Optimierung der Produktion. Angesichts der vorhandenen Produktionsstrukturen wird sich die Milchproduktion in Norddeutschland noch ausweiten, wobei die durchschnittliche Herdengröße auf über 100 Kühe je Bestand anwachsen wird. Wegen der zunehmenden Abhängigkeit vom Weltmarkt sollten die Milchproduzenten verstärkt auf ein innerbetriebliches Risikomanagement achten. Dazu zählen nicht nur die Bildung von Rücklagen bei guten Erlösen, sondern auch ein Liquiditätsmanagement und ein Nachdenken über die Aufnahme zusätzlicher Produktionszweige. Insgesamt hält Prof. Dr. Braatz die schleswig-holsteinischen Familienbetriebe für robust und sehr wettbewerbsfähig, da sie bei relativ guten Betriebsstrukturen u. a. deutlich geringere regelmäßig wiederkehrende Personalkosten zu tragen hätten, als es in den großen Betrieben der neuen Bundesländer oft der Fall ist.

 

 

 

 

 

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