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Berater und Wissenschaftler zu Besuch auf Haus Düsse

Seit 15 Jahren lädt die Wissenschaftliche Gesellschaft der Milcherzeugerberater (WGM) einmal im Jahr ihre Mitglieder sowie andere Interessierte zu ihrer Tagung an wechselnde Orte in Deutschland ein. In diesem Jahr fand die WGM-Tagung vom 7.10. bis 9.10 in Bad Sassendorf am Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse statt. Interessierten Besuchern stand die „Düsse“ am Anreisetag nachmittags für eine Besichtigung offen. Abends fand ein erster Austausch der Teilnehmer bei einem gemeinsamen Abendessen statt. Der Teilnehmerkreis bestand wie auch in den vergangenen Jahren aus einer guten Mischung von Beratern, Wissenschaftlern und Firmenvertretern, was einen offenen und praxisnahen Austausch ermöglicht. Offizieller Beginn der Tagung war am 8.10. mit der Mitgliederversammlung. Im Rahmen der Versammlung wurden vier Forschungsarbeiten zum Thema „Automatisierung in der Milchviehhaltung“ mit dem WGM Preis ausgezeichnet. Mit dem WGM-Preis honoriert die Gesellschaft Studierende und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in ihren abgeschlossenen Forschungsarbeiten mit Fragestellungen zu einem bestimmten Themengebiet der Milcherzeugung, in diesem Jahr der Automatisierung in der Milchviehhaltung, beschäftigt haben. Im Anschluss an die Ehrung stellten die Preisträger ihre Arbeiten dem Auditorium vor.

Die Vortragsblöcke zeichneten sich durch Aktualität und Praxisnähe aus. Der erste Vortragsblock begann mit der Vorstellung des neuen EDV-Programms „Cows and more“ zur Schwachstellenanalyse im Milchviehstall durch Andreas Pelzer vom Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Dieses von der LWK Nordrhein-Westfalen für Tablet-PC entwickelte Programm macht es Beratern deutlich leichter, tierbezogene Daten im Kuhstall, wie z.B. Ruheverhalten, Fortbewegung und Sauberkeit der Kühe zu erheben und im Anschluss direkt mit dem Landwirt zusammen auszuwerten. Im zweiten Vortrag stellte Dr. Hans-Jürgen Kunz von der LWK Schleswig-Holstein die Vorteile der Ad libitum Tränke in der Kälberaufzucht gegenüber der restriktiven Fütterung anschaulich dar. Zudem wurden verschiedene Beispiele für einen optimal gestalteten Kälberstall aufgezeigt. Zum Abschluss der Vorträge prognostizierte Dr. Reinhard Vogel-Lackenberg vom DMK die Entwicklung des Milchmarktes 2015 nach Wegfall der Milchquote.

Der zweite Vortragsblock wurde von Dr. Sabrina Hachenberg von der DLQ mit einem Vortrag über das milchQplus-Projekt eröffnet. Frau Hachenberg stellte die Ergebnisse aus durchgeführten Experteninterviews vor. Hierbei wurde veranschaulicht, dass Landwirte, Tierärzte und Berater durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen haben, ab wann Zellzahlwerte als kritisch anzusehen sind. Auch wenn der Stichprobenumfang bei solchen Untersuchungen aufgrund des Aufwandes gering ist, konnten doch wertvolle Einblicke hinsichtlich des Denkens und des daraus resultierenden Handelns der verschiedenen Akteure vermittelt werden. Im Anschluss referierte Ute Müller von der Universität Bonn über die Interpretation von Sensordaten in der Milchviehhaltung und machte deutlich, dass nicht alle erhobenen Daten auch wirklich sinnvoll genutzt werden können. Abschließend stellte Dr. Wolfram Richardt aktuelle Aspekte der Fütterung von Milchkühen im geburtsnahen Zeitraum vor. Der Trend geht in der Praxis wieder zu einer einphasigen Fütterung der Trockensteher, da dies gerade auf kleineren Betrieben leichter umzusetzen ist, als eine mehrphasige Trockensteherfütterung.

Zusätzlich zu den Vorträgen werden auf dieser Tagung immer auch Seminare angeboten, wobei die Teilnehmer sich je nach Interessensgebiet aufteilen um in kleineren Gruppen verschiedene Tehmenbereiche zu diskutieren. Das Spektrum der Themen reichte von der Liegeboxengestaltung und Lahmheitsbeurteilung – beide Seminare konnten praktisch im Milchviehstall des LWZ durchgeführt werden – über Fragen der Automatisierung, der Planung für kleinere Bestände bis hin zu Fragen der Eutergesundheit sowie der Wasserqualität in der Milchviehhaltung. Melktechnisch orientierte Seminare widmeten sich den Themen Messen nach DIN ISO in automatischen Melksystemen, Interpretation von Milchflusskurven, richtiges Einstellen milchflussgesteuerter Abnahmeautomatiken und Reinigung und Desinfektion von Melkanlagen.

Im Seminar Interpretation von Milchflusskurvenmessungen mittels LactoCorder zeigte Dr. Lutz Daßler vom Sächsischen Landeskontrollverband e.V. auf, dass der LactoCorder das Mittel der Wahl ist, um die Melkarbeit und Melkroutine zu bewerten, da der LactoCorder das einzige Gerät ist, das präzise Milchflusskurven aufzeichnet. Er wies aber auch darauf hin, dass das Gerät zur Überpüfung von Abschaltschwellen etc. weniger geeignet ist, da der Milchfluss durch Zwischenschalten des LactoCorders verändert wird. In der Seminargruppe wurden verschiedene LactoCorderkurven aus der Praxis aufgezeigt und diskutiert. Sehr deutlich wurde dabeider Einfluss einer richtigen Stimulation der Kuh auf den gesamten Melkprozess.

Im Seminar von Bernhard Schulze Wartenhorst und Ewald Albers zum richtigen Einstellen milchflussgesteuerter Abnahmeautomatiken beim Melken wurde über die optimalen Einstellungen der Melkanlage und den idealen Ausmelkgrad der Kuh diskutiert. Hierbei muss deutlich zwischen 2- und 3-mal täglichem Melken unterschieden werden. Bei 3-maligem Melken kann und muss zur Schonung des Eutergewebes auf ein intensives Ausmelken verzichtet werden. Zur Ermittlung des richtigen Schaltwertes muss der Melkprozess beobachtet werden und die Restmilch im Euter ermittelt werden. So sollte unmittelbar nach Abnahme des Melkzeuges bei 2-maligem Melken nicht mehr als 250 ml pro Kuh mit der Hand ermolken werden können, bei 3-maligem Melken nicht mehr als 500 ml. Außerdem dürfen die Zitzen nach Abnahme des Melkzeuges keine Beschädigungen bzw. Blaufärbungen aufweisen. Bevor allerdings Überprüfungen des Ausmelkgrades auf einem Betrieb vorgenommen werden, sollten erst einmal die Rahmenbedingungen des Melkens überprüft werden. Generell gilt: Die Melkroutine muss stimmen! Dazu gehört unter anderem ausreichendes Anrüsten der Tiere, trockene Zitzen vor dem Ansetzen um frühzeitiges Klettern der Zitzenbecher zu vermeiden und das Melkzeug parallel unter dem Euter positionieren um negative Kräfte über die langen Schläuche auszuschließen. Die Einstellungen der Melkanlage dürfen nicht an Problemtieren orientiert sein, sondern sind an junge normal melkende Tiere an zupassen.

„Erhöhte Zellgehalte – zu viele Mastitiden!“ lautete das Seminar zur Eutergesundheit, dass von Dr. Martin Spohr geleitet wurde. Hier wurde die Wichtigkeit von Kennzahlen zur Beurteilung der Eutergesundheit einer Herde, die dazu dienen die IST-Situation einzuschätzen und Veränderungen sichtbar zu machen, betont. Die Entnahme von Viertelgemelksproben für die Bestimmung der Mastitiserreger ist entscheidend, um die richtigen Maßnahmen bei Problemen ergreifen zu können. Während es bei Problemen mit kuhassoziierten Erregern vorangig darauf ankommt die Erregerausbreitung zu vermeiden, kommt es bei umweltassoziierte Erregern vor allem auf die Einschränkung des Erregerreservoires, die Vermeidung der Errgerübertragung und die Verbesserung der kuheigenen Abwehr an.

In dem Seminar Reinigung & Desinfektion von Melkanlagen ging es um die Verbesserung der Prozessqualität und um die Vermeidung von Reinigungs- und Desinfektionsmittelrückständen. Die Kontrolle des Reinigungsprozesses mit dem LactoCorder wurde ebenso besprochen wie die Entnahme von Stufenproben zur Kontrolle des Reinigungserfolges. Zudem wurden umfangreiche Untersuchungen aus dem Rückstandsmonitoring in Bezug auf Reinigungsmittel vorgestellt.

Die Abendveranstaltung in gemütlichem Ambiente bei Speis und Trank fand großen Anklang. In lockerer Atmosphäre bot sich hier ausreichend Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen den Tagungsteilnehmern.


 
Martina Thomsen und Dr. Monika Brandt, LKV

 

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