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Tagungsbericht internationale Mastitiskonferenz in Utrecht, Niederlande 2011

Strategien zur Mastitisbekämpfung – was machen unsere Nachbarn

Die internationale Mastitiskonferenz, die im letzten Herbst in Utrecht, Niederlande, mit großer Teilnehmerzahl stattfand, stand unter dem Motto „Mastitis und Kommunikation“. Als Landwirt fragt man sich, was das miteinander zu tun hat? Kommunikation bezeichnet den Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehreren Personen. Mastitis ist die Entzündung der Milchdrüse und stellt nicht nur die bedeutendste Erkrankung in der Milchviehhaltung dar, sondern ist vermutlich auch die am meisten erforschte. Zahlreiche Wissenschaftler weltweit befassen sich seit vielen Jahren mit Eutererkrankungen bei Milchkühen. Wenn es nun darum geht Forschungsergebnisse und neue Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen, nimmt die Kommunikation eine zentrale Stellung ein. Wissenschaftler und Fachleute aus aller Welt beschäftigten sich im Oktober letzten Jahres auf der Mastitiskonferenz mit der Frage wie das Wissen im Bereich Eutergesundheit in der Praxis besser genutzt werden kann.  An drei Tagen wurden unterschiedlichste Bereiche der Mastitisforschung vorgestellt und besonders unter dem Aspekt der Kommunikation beleuchtet und diskutiert. Das Programm war in verschiedene Themengebiete unterteilt, aus denen im Folgenden einige Aspekte vorgestellt werden.

Ein großer Teil der Beiträge der Tagung beschäftigte sich mit der Umsetzung und Wirkung von Eutergesundheitsprogrammen. Solche Programme werden entweder vom Gesetzgeber verpflichtend für die Betriebe oder von anderen Organisationen (z. B. Beratungsinstitutionen) auf freiwilliger Basis oder im Rahmen wissenschaftlicher Studien durchgeführt. Es geht darum Betrieben ein spezielles Beratungsangebot mit eventuellen Zielvorgaben anzubieten, dass zu einer Verbesserung der Eutergesundheit der Milchviehherde und damit auch einer Steigerung der Milchqualität und Wertschöpfung führen soll. Meist werden dafür umfangreiche Betriebs- und Leistungsdaten erfasst, ausgewertet und anhand dessen gewisse Beratungsempfehlungen getroffen.

In einer europäischen Studie konnte gezeigt werden, dass durch die Anwendung eines Tiergesundheitsprogramms die Anzahl der Euterbehandlungen zurückging und die Herdenzellzahl sank. An dem Programm beteiligten sich 111 Betriebe aus sechs Ländern, wobei sich die Beratungsmethoden zwischen den Ländern unterschieden. So wurde beispielsweise mit Telefonberatung oder mit Betriebsbesuchen gearbeitet.

In Dänemark wurde 2010 ein Milchqualitätsprogramm eingeführt unter dem Slogan: „Our milk – a pure pleasure“, was etwa bedeutet „Unsere Milch – eine reine Freude“. Zielsetzungen des Programms sind unter anderem ein durchschnittlicher Zellgehalt der Anlieferungsmilch von unter 150.000 Zellen/ml und eine Reduktion der Mastitistherapien um 50 %. Zur Unterstützung der Beratung wird die PCR-Methode  zur Untersuchung von Milchproben auf Mastitiserreger eingesetzt (PCR = polymerase Kettenreaktion, Nachweis der Erbinformation der Mastitiserreger). In Dänemark ist die Untersuchung von Milchproben vor dem Trockenstellen verpflichtend vorgeschrieben, wenn Antibiotika eingesetzt werden sollen. Für das Jahr 2011 wurde damit gerechnet, dass etwa die Hälfte dieser Untersuchungen mit der PCR-Methode durchgeführt wurden. Das Programm ist für einige Jahre angelegt, erste Erfolge konnten jedoch schon Ende des Jahres 2010 festgestellt werden. Diese waren etwa ein historisch geringer Wert der durchschnittlichen Zellzahl der Anlieferungsmilch von weniger als 220.000 Zellen/ml oder der Rückgang des Einsatzes von Euterinjektoren zur Behandlung von Mastitis um 10 %.

Aus Belgien (Flandern) wurde über ein Eutergesundheitsprogramm berichtet, an dem alle wesentlichen Institutionen der Milchviehhaltung beteiligt sind. Hauptanliegen des Projektes ist es, vorhandenes Wissen auf die Betriebe zu bringen und in tägliche Arbeitsroutinen zu integrieren, beispielsweise durch den Internetauftritt des Projektes oder Diskussionsrunden mit Landwirten auf Betrieben.

Durch weitere Beiträge, aber auch in vielen Posterdarstellungen, konnte gezeigt werden, dass sich die Einführung von Eutergesundheitsprogrammen positiv auf die Eutergesundheit auswirkt.

Der Erfolg solcher Eutergesundheitsprogramme sowie anderer Beratungsstrategien hängt jedoch entscheidend davon ab, ob und wie Wissen an die Praxis vermittelt werden kann und ob die Einstellung der Betriebsleiter zu den angestrebten Zielen passt. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Motivations- und Kommunikationsstrategien vorgestellt. So wurden in einer Studie über 350 Betriebe aus Deutschland von Veterinärmedizinstudenten dahingehend beraten, Handschuhe während des Melkens zu tragen und Zitzenversiegler zu verwenden. Die Beratung war erfolgreich, sowohl die Verwendung von Handschuhen als auch der Einsatz von Zitzenversieglern nahmen zu. Jedoch wurde kein Unterschied zwischen unterschiedlichen Kommunikationsstrategien während der Beratung festgestellt.

Eine Untersuchung auf Betrieben mit automatischen Melksystem (AMS) konnte zeigen, dass die Einstellung der Landwirte im Hinblick auf das Herdenmanagement in Zusammenhang mit der Eutergesundheit steht. Insbesondere die Meinung der Landwirte eine hohe Milchproduktion wäre wichtig sowie die Arbeitsabläufe auf dem Betrieb beeinflussten die Eutergesundheit. In weiteren Vorträgen und Posterpräsentationen wurde darauf hingewiesen, dass die kommunikativen Eigenschaften der Tierärzte und Berater von entscheidender Bedeutung für den Wissenstransfer und die Umsetzung von Maßnahmen und Programmen in der Praxis sind. Zudem ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten, beispielsweise zwischen Tierärzten und Beratern wichtig für die erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Eutergesundheit.

Gute kommunikative Eigenschaften sind wichtig für einen erfolgreichen Berater, damit Wissen und Maßnahmen erfolgreich an die Praxis weitergegeben werden können. Ein regelmäßiger Kontakt und die Einstellung des Beraters können hier schon eine Menge bewirken. So wurden beispielsweise regelmäßige Betriebsbesuche, wöchentlich zur Kontrolle der Frischmelker und der Kühe zum Trockenstellen, als positiv für das Verhältnis zwischen Tierarzt und Landwirt beurteilt. Der Erfolg einer tierärztlichen Bestandsbetreuung ist unter anderem abhängig von der Einstellung und den Zielen des Tierarztes. In einer holländischen Umfrage bei Tierärzten konnte festgestellt werden, dass für ein Beratungskonzept begeisterungsfähige Tierärzte weniger Kommunikationsprobleme mit den Landwirten hatten und ihr Beratungsprodukt besser vermarkten konnten. Zudem sind die Wüsche des Landwirtes natürlich entscheidend für die Schwerpunkte und den Umfang der Bestandsbetreuung.

Für den Einsatz von Eutergesundheitsprogrammen oder auch spezieller Beratungen ist der ökonomische Aspekt von entscheidender Bedeutung. Maßnahmen zur Verbesserung der Eutergesundheit einer Herde sind nicht immer sofort ökonomisch effizient. Die Bereitschaft der Landwirte an Kontrollprogrammen teilzunehmen wird häufig als gering angegeben. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass es schwierig ist, den ökonomischen Verlust von Krankheiten zu beziffern und damit den Kostenvorteil von Kontrollprogrammen zu erkennen. Französische Wissenschaftler entwickelten eine Software mit der es möglich ist, eine ökonomische Bewertung von Mastitisproblemen betriebsindividuell vorzunehmen. Sowohl Landwirte wie auch Berater beurteilten die Software als nützlich und effizient für den Einsatz von Mastitiskontrollprogrammen. Die Software ist in Frankreich zum freien Download verfügbar.

Die Berechnung der durch Mastitis verursachten Kosten und Verluste demonstrieren einen ersten Schritt für die Motivation der Landwirte das Problem zu erkennen und effektive Maßnahmen zur Reduzierung dieser Kosten auf dem Betrieb zu implementieren. Der Nettogewinn eines irischen Beispielbetriebes fiel von 29.000 Euro bei einer Herdenzellzahl von weniger als 100.000 Zellen/ml auf 11.000 Euro bei einem Zellgehalt von mehr als 400.000 Zellen/ml. Die Daten dieser Untersuchung sollen genutzt werden um zukünftig einen „Mastitisrechner“ für Irland zu entwickeln, der von Landwirten und Beratern zur Abschätzung der Mastitiskosten auf dem Betrieb genutzt werden kann.

Die optimale ökonomische Entscheidung im Hinblick auf das Mastitismanagement hat die Minimierung der Gesamtkosten zum Ziel. Diese Gesamtkosten setzen sich zusammen aus den direkt durch eine Mastitis verursachten Kosten und Verlusten und aus den Kosten für die Mastitisprävention.  Die optimale Entscheidung steht also im Verhältnis zwischen direkten Kosten und Präventionskosten. Eine Studie zur betriebsindividuellen Einschätzung dieser Kosten ergab im Mittel totale Kosten von 164 Euro pro Kuh und Jahr. Diese setzten sich zusammen aus 62 Euro für eine klinische Mastitis, 14 Euro für eine subklinische Mastitis und 88 Euro für präventive Maßnahmen. Die Kosten für Prävention wurden überwiegend durch erhöhten Arbeitsaufwand verursacht. Die Variation zwischen den Betrieben war insbesondere für die Kosten der präventiven Maßnahmen sehr hoch. Ein direkter Zusammenhang im Sinne von geringen direkten Kosten infolge hoher Präventionskosten, konnte jedoch nicht festgestellt werden.

Zur Mastitisdiagnostik wurden vor allem molekular-biologische Methoden vorgestellt. Sie haben den Vorteil, dass sie empfindlicher reagieren und dadurch Mastitiserreger mit einer höheren Sensitivität nachweisen können als die Standardmethode. Das auf PCR basierende Untersuchungssystem PathoProofTM zur Identifizierung von Mastitiserregern aus Milchproben, das auch im Labor des LKV eingesetzt wird, wurde in einer Studie zum Zusammenhang zwischen Milchqualität und Herdeneigenschaften auf dänischen Milchviehbetrieben verwendet. Der Nachweis von gewissen Mastitiserregern, insbesondere von Staph. aureus und Strept. uberis in der Tankmilch stand im Zusammenhang mit einem höheren Zell- und Keimgehalt der Tankmilch. Die Prävalenz von Strept. agalactiae (Galtstreptokokken) war abhängig von der Herdengröße, was mit dem Infektionsverhalten des Erregers zusammenhängt. Der Erreger ist stark ansteckend von Kuh zu Kuh. In großen Herden sind zum einen mehr Tiere vorhanden, die sich untereinander infizieren können, zum anderen werden hier häufiger Tiere zugekauft, die den Erreger einschleppen können.

Im Bereich Mastitistherapie ging es neben der Vorstellung unterschiedlicher Behandlungsansätze vor allem um den verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika und der Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika. Eine digitale Aufzeichnung und Auswertung von Gesundheitsdaten der Einzeltiere kann beispielsweise vorteilhaft sein für ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein beim Einsatz von Antibiotika, für die Identifizierung von Problembereichen, für eine Unterstützung der Tierärzte in ihrer Beratungstätigkeit und insgesamt für eine Verbesserung der Tiergesundheit. Nicht zuletzt lassen sich mit Hilfe solch eines Computerprogramms zukünftige gesetzliche Anforderungen erfüllen. Die Niederlande geben beispielsweise bereits eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung um 50 % bis zum Jahr 2015 vor.

In zahlreichen Beiträgen wurden Erkenntnisse zur Melkroutine und Melktechnik vorgestellt, wie beispielsweise zum Einfluss der Pulsationseinstellungen auf die Infektion des Euters oder den positiven Effekt des Tragens von Melkhandschuhen auf den Zellgehalt der Anlieferungsmilch. Eine schwedische Studie zur Eutergesundheit beim automatischen Melken ergab, dass die Herdenzellzahl bei automatisch melkenden Betrieben signifikant höher war. Dieses wurde auch schon in anderen Studien berichtet und die wesentlichen Gründe können folgende sein: Probleme mit dem Kuhverkehr, die Nicht-Verfolgung der unvollständigen Melkungen, ineffiziente oder zu sparsame Reinigung und keine Möglichkeit erkrankte Tiere von der Herde abzusondern. Praktische Erfahrungen auf schwedischen AMS-Betrieben haben gezeigt, dass weitere Managementstrategien von entscheidender Bedeutung für die Eutergesundheit sind. Hier wurden unter anderem der freie Zugang zu Futter und Wasser, die korrekten Melkeinstellungen für jede Kuh, das mindestens zweimal tägliche Melken aller Kühe und die Eingliederung der frischlaktierenden Kühe genannt. Automatische Melksysteme müssen über ein Alarmsystem für auffällige Kühe insbesondere im Hinblick auf Mastitiserkrankungen verfügen. In einer Umfrage wurde ermittelt, dass die Landwirte vor allem Wert auf Hinweise zum Gesundheitsstatus von Kühen und auf eine geringe Anzahl an falsch positiven Meldungen legen. Jedoch waren die Unterschiede in der Präferenz der Landwirte groß, so dass es wichtig wäre, wenn Alarmsysteme individuell anpassbar wären. Diese Erkenntnisse können sowohl für weiteren Studien als auch für die Entwicklung der Alarmsysteme wertvoll sein.

In der sich wandelnden Milchwirtschaft der letzten Jahre, ändern sich nicht nur die Betriebe und Betriebsstrukturen, sondern auch die Landwirte. Die Beratung muss sich diesem Wandel anpassen. Die richtige Kommunikation und Motivationsstrategien gewinnen zunehmend an Bedeutung, sie nehmen einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der Beratung. Auf der Konferenz konnten viele neue Erkenntnisse und Methoden vermittelt werden. Insbesondere die Präsentation weltweit unterschiedlicher Eutergesundheitsprogramme und Beratungsmethoden lieferten interessante Ansätze für die zukünftige Beratung. Zusätzlich wurden bewährte Sachverhalte einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Dabei wurde deutlich, dass im Bereich der Eutergesundheit viel Wissen vorhanden ist, es aber noch nicht gut genug gelingt, dieses Wissen in die Praxis zu übertragen und anzuwenden. Deshalb arbeitet der LKV intensiv daran, einige der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die MLP-Auswertungen einzubeziehen

Monika Brandt, LKV

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